42837/06;3237/07;3269/07;35793/07;6099/08
WyrokETPCz2010-06-03ECLI:CE:ECHR:2010:0603JUD004283706
Analiza orzeczenia
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Zagadnienie prawne
Czy obowiązek ujawnienia przekonań religijnych w postępowaniu karnym w celu złożenia oświadczenia zamiast przysięgi religijnej stanowi naruszenie wolności myśli, sumienia i religii (art. 9 Konwencji) oraz czy istniał skuteczny środek odwoławczy w tym zakresie (art. 13 Konwencji)?Ratio decidendi
Trybunał uznał, że wolność myśli, sumienia i religii, chroniona przez art. 9 Konwencji, obejmuje zarówno pozytywny aspekt manifestowania swoich przekonań, jak i negatywny aspekt wolności od przymusu ujawniania ich. Obowiązek skarżących do deklarowania swoich przekonań religijnych (lub ich braku) w postępowaniach karnych, aby móc złożyć oświadczenie zamiast przysięgi na Biblię, stanowił ingerencję w tę wolność. Chociaż ingerencja ta była przewidziana prawem i miała na celu zapewnienie dobrego wymiaru sprawiedliwości, Trybunał uznał ją za nieproporcjonalną. Greckie przepisy (art. 217, 218 i 220 kodeksu postępowania karnego) traktowały przysięgę na Biblię jako normę, a oświadczenie jako wyjątek, wymagając od osób niebędących prawosławnymi chrześcijanami ujawnienia ich prywatnych przekonań. Brak skutecznego środka odwoławczego w prawie krajowym przeciwko tej praktyce doprowadził również do naruszenia art. 13 Konwencji.Stan faktyczny
Skarżący, obywatele Grecji i USA, będący przedstawicielami organizacji pozarządowej, byli wielokrotnie wzywani do greckich sądów w postępowaniach karnych. Zgodnie z art. 218 greckiego kodeksu postępowania karnego, byli proszeni o złożenie przysięgi na Biblię. Ponieważ nie byli prawosławnymi chrześcijanami, prosili o możliwość złożenia oświadczenia, co wymagało ujawnienia ich przekonań religijnych. Mimo że ich prośby były zazwyczaj uwzględniane, protokoły sądowe często błędnie odnotowywały ich jako prawosławnych chrześcijan lub wprost wskazywały ich jako ateistów lub wyznawców innej religii, co wymagało publicznego korygowania. Skarżący zarzucali, że ta praktyka naruszała ich wolność religii i prawo do prywatności, a także brak skutecznego środka odwoławczego.Rozstrzygnięcie
Trybunał jednogłośnie: stwierdził niedopuszczalność skargi z art. 6 ust. 1 Konwencji; odrzucił zarzut rządu dotyczący niewyczerpania krajowych środków odwoławczych; stwierdził naruszenie art. 13 Konwencji; stwierdził naruszenie art. 9 Konwencji; uznał, że nie ma potrzeby odrębnego rozpatrywania skarg z art. 8 i 14 Konwencji; zasądził skarżącym łącznie 15 000 EUR tytułem zadośćuczynienia za szkodę niemajątkową.Pełny tekst orzeczenia
NLMR 3/2010-EGMR
© Jan Sramek Verlag (http://www.jan-sramek-verlag.at). [Übersetzung wurde bereits in Newsletter Menschenrech-
te 2010/3 veröffentlicht] Die erneute Veröffentlichung wurde allein für die Aufnahme in die HUDOC-Datenbank des
EGMR gestattet. Diese Übersetzung bindet den EGMR nicht.
© Jan Sramek Verlag (http://www.jan-sramek-verlag.at). [Translation already published in Newsletter Menschen-
rechte 2010/3] Permission to republish this translation has been granted for the sole purpose of its inclusion in the
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© Jan Sramek Verlag (http://www.jan-sramek-verlag.at). [Traduction déjà publiée dans Newsletter Menschenrechte
2010/3] L’autorisation de republier cette traduction a été accordée dans le seul but de son inclusion dans la base de
données HUDOC de la Cour. La présente traduction ne lie pas la Cour.
Sachverhalt
Die Bf., drei griechische und ein US-Staatsbürger, sind EMRK (Recht auf eine wirksame Beschwerde bei einer nati-
gesetzliche Vertreter der Internationalen Vereinigung onalen Instanz) und von Art. 14 EMRK (Diskriminierungs-
Helsinki – einer im menschenrechtlichen Bereich täti- verbot), da sie vor Gericht ihre nicht-orthodoxen religi-
gen NGO – und leben in Athen.
ösen Überzeugungen offenlegen mussten. Sie rügen
Zwischen Februar 2006 und Dezember 2007 wur- ferner eine Verletzung von Art. 6 Abs. 1 EMRK (Recht
den sie mehrfach als Zeugen, Kläger oder Verdächti- auf ein faires Verfahren), weil sie aufgrund der religiö-
ge im Rahmen strafrechtlicher Verfahren vorgeladen. sen Symbole in den Gerichtssälen und dem Umstand,
Mehrmals wurden sie gemäß Art. 218 des griechischen dass alle Richter orthodoxe Christen waren, Zweifel an
Strafverfahrensgesetzes aufgefordert, den Eid mit der deren Unparteilichkeit hegen. Der GH beschließt, die
rechten Hand auf der Bibel zu leisten. Die Bf. gaben dar- Beschwerden aufgrund der Ähnlichkeit bezüglich der
aufhin jedesmal an, dass sie nicht der christlich-ortho- Sachverhalte und zu klärenden Fragen zu verbinden und
doxen Konfession angehörten und forderten, eine eides- sie gemeinsam zu behandeln (einstimmig).
stattliche Erklärung abgeben zu dürfen. Diesem Wunsch
wurde von den Gerichten auch stets entsprochen.
Das Formular für das Verfahrensprotokoll enthielt
I. Zur Zulässigkeit
standardmäßig in seinem Text die Ausdrücke »orthodo- Der Beschwerdepunkt hinsichtlich Art. 6 Abs. 1 EMRK
xer Christ« und »legte einen Eid mit der rechten Hand wurde von den Bf. in keiner Weise substantiiert. Der
auf der Bibel ab«, sodass diese Passagen in mehreren GH bemerkt diesbezüglich, dass die Bf. meist als Zeu-
Fällen gestrichen und durch die Begriffe »Atheist« und gen gar nicht im Gerichtssaal, sondern vom Untersu-
»gab eine eidesstattliche Erklärung ab« ersetzt wurden. chungsrichter im Beratungszimmer vernommen wur-
Einige Protokolle blieben jedoch inkorrekt und bezeich- den. Es gibt auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass die
neten die Bf. weiterhin als orthodoxe Christen, die den Richter ihre Pflicht zur Unparteilichkeit vernachlässigt
Eid auf die Bibel geleistet hätten.
hätten. Außerdem kann eine Beschwerde nur von Per-
Auch in Fällen, in denen die Bf. nicht in der Situati- sonen eingebracht werden, die behaupten, von einer
on waren, einen Eid leisten zu müssen, mussten sie vor Konventionsverletzung direkt betroffen zu sein. Dies
Gericht ihre Konfession offenlegen, um den Standard- ist hier bezüglich Art. 6 Abs. 1 EMRK nicht der Fall. Die
text des Protokolls berichtigen lassen zu können.
Beschwerde ist daher wegen offensichtlicher Unbegrün-
detheit gemäß Art. 35 Abs. 3 und 4 EMRK zurückzuwei-
sen (einstimmig).
Rechtsausführungen
Die Regierung wendet ein, die Bf. hätten es verab-
säumt, den nationalen Rechtsweg auszuschöpfen, da
Die Bf. rügen Verletzungen von Art. 8 EMRK (hier: die Möglichkeit bestanden habe, vor nationalen Verwal-
Recht auf Achtung des Privatleben), Art. 9 EMRK (Recht tungsgerichten Ersatz für eventuelle Schäden zu erhal-
auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit), Art. 13 ten, die den Bf. durch die verpflichtende Offenlegung
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Dimitras u.a. gg. Griechenland
NLMR 3/2010-EGMR
ihrer Religion vor Gericht zugefügt wurden. Der GH ist hörige der jüdischen Religion« bezeichnet. Der GH
der Ansicht, dass diese Einwendung mit dem Beschwer- schließt daraus, dass ein Eingriff in die Religionsfreiheit
depunkt hinsichtlich Art. 13 EMRK im Zusammenhang der Bf. stattgefunden hat.
steht und verbindet sie daher mit der diesbezüglichen
Entscheidung in der Sache.
Der Eingriff war durch Art. 218 und 220 des Strafver-
fahrensgesetzes gesetzlich vorgesehen und verfolgte das
Die Beschwerden hinsichtlich der Art. 8, 9, 13 und 14 legitime Ziel, eine gute Justizverwaltung zu garantieren.
EMRK sind nicht offensichtlich unbegründet im Sinne Der GH hat nunmehr die Verhältnismäßigkeit des Ein-
von Art. 35 Abs. 3 EMRK. Da auch andere Gründe nicht griffs zum verfolgten Ziel zu prüfen.
gegen deren Zulässigkeit sprechen, erklärt sie der GH
für zulässig (einstimmig).
Art. 218 Strafverfahrensgesetz regelt die Eidablegung
vor Gericht. Die Bestimmung geht davon aus, dass alle
Zeugen grundsätzlich orthodoxe Christen sind und
den Eid auf die Bibel leisten wollen. Dies wird auch in
der Formulierung des Standardtextes des Protokollfor-
II. Zur behaupteten Verletzung von Art. 13 EMRK
Der GH weist auf den starken Zusammenhang zwischen mulars widergespiegelt. Art. 220 Strafverfahrensgesetz
Art. 13 EMRK und Art. 35 Abs. 1 EMRK bezüglich der bestimmt zwar, dass Personen, die nicht der christlich-
Ausschöpfung des Instanzenzugs hin.
orthodoxen Konfession angehören, einen Eid gemäß
Die Regierung nannte kein einziges Beispiel für eine ihrer anerkannten oder tolerierten Religion ablegen,
frühere Entscheidung der griechischen Verwaltungs- oder, wenn sie keiner Religion angehören bzw. ihre Reli-
gerichte über Schadenersatzklagen, die ein effektives gion eine Eidleistung nicht zulässt, eine eidesstattliche
Rechtsmittel gegen eine derartige Verletzung dargestellt Erklärung abgeben können. Dies wird jedoch als Aus-
hätte. Ferner konnte die Regierung keinen Fall nennen, nahme vom Normalfall geregelt.
in dem ein nationales Gericht sich geweigert hätte, die
Des Weiteren führte die Formulierung von Art. 220
Bestimmungen über die Eidablegung anzuwenden, weil Strafverfahrensgesetz dazu, dass die Betroffenen sich
diese in Widerspruch mit der griechischen Verfassung nicht bloß dafür entscheiden konnten, eine eidesstatt-
oder der Konvention stünden.
liche Erklärung abzugeben, sondern genauere Angaben
Daher weist der GH die Einwendung der Regierung über ihre religiösen Überzeugungen preisgeben muss-
zurück (einstimmig) und stellt eine Verletzung von ten, um nicht auf die Bibel schwören zu müssen. Einige
Art. 13 EMRK fest (einstimmig).
der Bf. mussten das Gericht davon überzeugen, dass sie
keiner Religion angehörten, anderenfalls sie einen Eid
auf die Bibel ablegen hätten müssen.
Die Unvereinbarkeit der einschlägigen gesetzlichen
Bestimmungen mit Art. 9 EMRK wird noch offensichtli-
III. Zur behaupteten Verletzung von Art. 8, 9 und 14
EMRK
Der GH prüft die Beschwerde bezüglich der verpflichte- cher, betrachtet man Art. 217 Strafverfahrensgesetz. Die-
ten Offenlegung der Religion vor Gericht zunächst nur ser Bestimmung zufolge müssen alle Zeugen vor ihrer
in Hinblick auf Art. 9 EMRK. Er weist darauf hin, dass Aussage unter anderem auch ihre Religion angeben.
die Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu den
Der GH bemerkt weiters, dass, im Gegensatz zum
Grundlagen einer demokratischen Gesellschaft gehö- Strafverfahrensgesetz, das Zivilverfahrensgesetz für
ren. Die Religionsfreiheit ist ein essentieller Teil der Zeugen die Möglichkeit vorsieht, wenn gewünscht, ohne
Identität der Gläubigen, aber auch ein wichtiges Gut weitere Formalitäten zwischen einer eidesstattlichen
für Atheisten, Agnostiker, Skeptiker und Gleichgülti- Erklärung und der Leistung eines Eides wählen zu kön-
ge. Die Freiheit, seine religiösen Überzeugungen kund- nen. Die Offenlegung der religiösen Überzeugung ist
zutun, umfasst jedoch auch die Freiheit, diese für sich hier nicht nötig.
zu behalten und nicht verpflichtet zu sein, ein Verhalten
Der GH stellt daher fest, dass die Verpflichtung der Bf.,
zu setzen, aus dem man Schlüsse bezüglich der religiö- ihre Religion vor Gericht anzugeben, um eine eidesstatt-
sen Konfession des Betroffenen zu ziehen vermag. Dies liche Erklärung abgeben zu können, in ihre Religions-
gilt umsomehr für den Fall, wenn eine Person ein sol- freiheit eingriff. Da dieser Eingriff weder gerechtfertigt
ches Verhalten setzen muss, um eine bestimmte Funk- noch verhältnismäßig zum verfolgten Ziel war, hat eine
tion ausüben zu können, wie etwa bei der Eidablegung.
Die Bf. wurden im Standardtext der Verfahrenspro-
Verletzung von Art. 9 EMRK stattgefunden (einstimmig).
Aufgrund dieser Feststellungen besteht keine Not-
tokolle generell als »orthodoxe Christen« bezeichnet. wendigkeit einer separaten Prüfung der Beschwerde
Daher mussten die Bf. erklären, sei es bei öffentlichen hinsichtlich Art. 8 und Art. 14 EMRK (einstimmig).
Verhandlungen oder solchen in camera, dass dies nicht
ihre Religion sei bzw. dass sie Atheisten seien oder der
jüdischen Religion angehörten. In einigen Protokollen
IV. Entschädigung nach Art. 41 EMRK
wurden die Bf. auch explizit als »Atheisten« oder »Ange- € 15.000,– für immateriellen Schaden (einstimmig).
Österreichisches Institut für Menschenrechte
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© Rada Europy / Europejski Trybunał Praw Człowieka, źródło: HUDOC (hudoc.echr.coe.int), pozyskano 27.07.2026. · Źródło